Beginne mit dem Gesamtgewicht, das auf den Reifen lastet.
Reifendruck hängt vor allem von Last, Luftvolumen und Untergrund ab. Ein 32-mm-Rennradreifen braucht unter einem leichten Fahrer nicht denselben Druck wie an einem voll beladenen Bikepacking-Rad.
Drei Gewichtsbereiche sind entscheidend:
- Dein Gewicht: der größte Teil der Gesamtlast und der Wert, den die meisten Rechner zuerst benötigen.
- Das Gewicht deines Fahrrads: Rahmen, Räder, Flaschen, Taschen, Lampen, Werkzeug und alles, was angebaut ist.
- Ausrüstung und Gepäck: Zusätzliche Kleidung, Gepäck, Essen, volle Flaschen und alles, was sich von Tour zu Tour ändert.
Die gemessene Reifenbreite zählt mehr als die aufgedruckte. Innenmaulweite und Karkassenform können aus einem 30-mm-Reifen real 31, 32 oder mehr Millimeter machen. Miss wenn möglich mit einem Messschieber nach.
Der Laufraddurchmesser hat weniger Einfluss als die Gesamtlast oder die gemessene Reifenbreite, verändert aber dennoch Luftvolumen und Aufstandsfläche. Verwende die tatsächlich montierte Laufradgröße: 700c/29 Zoll, 650b/27,5 Zoll oder 26 Zoll.
Auf rauem Untergrund ist weniger Druck oft schneller.
Auf glattem Asphalt kann sich ein härter aufgepumpter Reifen schnell anfühlen. Auf rauem Splittasphalt, beschädigter Fahrbahn oder Schotter lässt zu viel Druck das Rad springen und vibrieren, statt sauber zu rollen. Weniger Druck kann Komfort, Kontrolle und manchmal sogar das Tempo verbessern.
| Untergrund | Drucktendenz | Entscheidend |
|---|---|---|
| Glatter Asphalt | Höher | Tempo und Stabilität, ohne unnötige Härte. |
| Abgenutzter Asphalt | Etwas weniger | Weniger Vibrationen und mehr Grip auf schlechtem Asphalt. |
| Fester Gravel | Etwas runter | Mehr Kontrolle und Komfort, weniger harte Schläge. |
| Lockerer oder grober Schotter | Noch etwas runter | Grip und Felsschutz werden wichtiger. |
| MTB-Trail | Am Untergrund orientieren | Grip, Karkassenhalt, Schläge und Seitenkräfte in Kurven. |
Bei gemischtem Untergrund reicht ein blinder Durchschnitt nicht.
Eine Route mit 80 Prozent Asphalt und 20 Prozent grobem Schotter ist kein einfaches Durchschnittsproblem. Der Asphalt bestimmt, wie schnell du rollst. Der raue Abschnitt entscheidet, ob du die Kontrolle behältst und die Felgen heil bleiben.
- Wenn der raue Abschnitt kurz und vermeidbar ist, kannst du einen eher auf Asphalt ausgelegten Druck wählen und dort vorsichtig fahren.
- Ist der raue Abschnitt für die Tour relevant, senke den Druck in Richtung der Empfehlung für diesen Untergrund.
- Hat die Route längere Gravel- oder Trailabschnitte, richte den Druck daran aus und nicht an den glatten Verbindungsstraßen.
Hier hilft die Planung entlang der Route. Entscheidend ist nicht der durchschnittliche Untergrund, sondern der Abschnitt, auf dem der falsche Druck am meisten kostet.
Karkasse und Reifen-Setup verändern den passenden Druck.
Ein geschmeidiger Tubeless-Reifen braucht meist einen anderen Druck als ein schwerer Pannenschutzreifen oder ein Setup mit Butylschlauch. Breitere Reifen und voluminösere Karkassen kommen bei gleicher Last mit weniger Druck aus.
Vorne und hinten ist meist unterschiedlicher Druck sinnvoll. Bei Rennrad, Gravelbike und MTB trägt das Hinterrad in der Regel mehr Last und braucht daher etwas mehr Druck. Beim Zeitfahrrad können die Werte näher beieinanderliegen; mit Bikepacking-Gepäck braucht das Hinterrad oft zusätzliche Unterstützung.
Herstellergrenzen gehen immer vor.
Überschreite nie den niedrigsten zulässigen Maximaldruck von Reifen, Felge, Felgenband, Reifeneinsatz oder Laufrad. Bei Hookless- und Tubeless-Felgen mit geraden Flanken gelten besondere Regeln; manche Reifen-Felgen-Kombinationen haben strenge Grenzen.
Reifendruckcheck vor der Tour
Nutze die gemessene Reifenbreite, prüfe beide Reifen mit demselben Manometer und beachte den zulässigen Maximaldruck von Reifen und Felge. Senke den Druck vor rauen Touren und kontrolliere ihn nach Arbeiten mit Dichtmittel oder einem Reifenwechsel erneut.
So berechnet Route Companion den Reifendruck
Die App schätzt den Druck vorne und hinten in Schritten von 0,5 psi. Dafür nutzt sie Fahrer-, Rad- und Gepäckgewicht, gemessene Reifenbreite, Untergrund, Tempo, Reifen-Setup, Laufradgröße, Felgentyp und Radkategorie. Für Rennrad- und schnelle Gravelreifen zielt sie auf eine Reifeneinfederung: wie stark der Reifen unter der Radlast einfedert, angelehnt an den klassischen Richtwert von etwa 15 %. Der Wert ergibt sich aus der Last pro Laufrad und der gemessenen Reifenbreite: Auf glattem, schnellem Untergrund fällt er höher aus, mit zunehmender Unebenheit niedriger. Das entspricht den Erkenntnissen, dass auf rauem Untergrund weniger Druck schneller rollt und etwas zu wenig Druck deutlich weniger Tempo kostet als zu viel. Für Mountainbike- und besonders breite Reifen gilt ein eigenes Modell. Die bar-Werte werden aus den gerundeten psi-Werten berechnet.
Das Rennrad- und Gravelmodell wurde mit Frank Bertos veröffentlichten Messwerten zur 15-%-Reifeneinfederung abgeglichen, in der Aufbereitung von Bicycle Quarterly), nicht im Vergleich zum Rechner einer einzelnen Marke. Die Logik "rauer = niedriger, lieber etwas zu wenig" folgt den Erkenntnissen zu Widerstand und dem Breakpoint-Druck von SILCA, René Herse, und ein 2024er Modell in Vehicle System Dynamics.
Wenn für eine geladene Route Untergrundsdaten vorliegen, nutzt Route Companion sie als Anhaltspunkt. Detaillierte Angaben werden vereinfachten Druckkategorien zugeordnet. Ein rauer Untergrund wird berücksichtigt, wenn er mindestens etwa 10 % der Route oder rund 2 km ausmacht. Ohne Untergrundsdaten wählst du die Kategorie selbst.
Der Rechner optimiert noch nicht jeden Abschnitt einer Route mit wechselndem Untergrund einzeln. Er berechnet also weder einen straßenbetonten noch einen für die rauesten Passagen abgesicherten Druck. Das wird sinnvoll, sobald Radprofile und routenabhängige Standard-Setups verfügbar sind.
Wofür der Ratgeber gedacht ist
Dieser Ratgeber hilft bei der Planung, garantiert aber keine Kompatibilität. Der passende Reifendruck hängt von Ausrüstung, Fahrstil, Untergrund, Temperatur, der Genauigkeit des Manometers und deinen persönlichen Vorlieben ab.
Nutze die Empfehlung der App als Ausgangspunkt und passe sie nach deinen Erfahrungen an. Widersprechen sich Rechner und Herstellergrenze, gilt immer die Herstellerangabe.